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Impfdurchbrüche bei Immunsupprimierten

Impfdurchbrüche bei Immunsupprimierten

Impfdurchbrüche bei Immunsupprimierten

Immer mehr Impfdurchbrüche bei Immunsupprimierten

Im Ärzteblatt vom 30. Dezember 2021 wurden die zunehmenden Impfdurchbrüche bei immunsupprimierten Patienten thematisiert. Demnach haben die Impfungen gegen Covid-19-Erkrankungen bei immunsupprimierten Menschen nur eine bedingte Schutzwirkung.

Gleiches gilt bei Menschen, deren Immunsystem krankheitsbedingt geschwächt ist.

Die Durchbruchsinfektionen werden seit dem Auftreten der Delta-Variante des Covid-19-Virus oft schon frühzeitig nach der doppelten Impfung diagnostiziert. Sie nehmen bei Geimpften jedoch oft einen milderen Verlauf. Das belegt eine Studie, die am 29. Dezember 2021 im Onlinemagazin „JAMA Internal Medicine“ erschien. Besonders stark gefährdet für einen Impfdurchbruch sind demnach Transplantationspatienten. Diese werden in Knochenmarks-Transplantierte und Organtransplantierte unterschieden. Ihre Risiken für Durchbruchsimpfungen sind der Studie zufolge unterschiedlich hoch. Auch wenn die Boulevard-Presse oft anderes suggeriert, treten Durchbruchinfektionen in der deutschen Bevölkerung relativ selten auf. Von 664.722 mindestens einmal oder bereits vollständig geimpften Amerikanern, erlitten laut einer Statistik-Auswertung der „National COVID Cohort Collaborative“ (N3C) lediglich 22.917 eine Durchbruchsinfektion. Das sind durchschnittlich weniger als 5 Prozent.

Impfdurchbrüche während der ersten Covid-19-Welle

Diese Werte betreffen allerdings die Impfdurchbrüche während der ersten Covid-19-Welle. Während der anschließend auftretenden Delta-Variante kam es in der amerikanischen und der deutschen Bevölkerung zu mehr Impfdurchbrüchen. Bei der Omikron-Virusvariante und der nun in Frankreich entdeckten neuen Covid-Mutation dürfte es wegen der höheren Ansteckungsrisiken deutlich mehr Durchbruchsinfektionen bei immungeschwächten Menschen geben.

Wie schwer diese Durchbrüche verlaufen werden, ist derzeit ungewiss. Sicher ist nur, dass immunsupprimierte Personen, HIV-kranke und anderweitig abwehrschwache Menschen gehäufter von Impfdurchbrüchen betroffen sind als andere. Auch Menschen mit schweren systemischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Rheuma oder rheumatoider Arthritis dürften neben den Transplantationspatienten gehäufter von Durchbruchsinfektionen betroffen sein. Gleiches dürfte für Patienten gelten, deren Immunsystem wegen einer Krebserkrankung, einer chronischen Nierenerkrankung mit Dialysepflicht oder einer laufenden Behandlung mit Chemotherapeutika herabgesetzt ist.

Durchbruchinfektion

Etwas sechs Prozent der organtransplantierten Patienten erkrankten dem Ärzteblatt zufolge binnen sechs Monaten nach der Impfung an COVID-19. Da auch in anderen immungeschwächten Patientengruppen etwa die Hälfte der bisherigen Durchbruchinfektionen binnen vier Monaten nach der Impfung auftraten, sollten diesen Personenkreisen frühere Booster-Impfungen verabreicht werden. Der Abstand von sechs Monaten nach der Zweitimpfung wurde als zu gering erkannt. Interessant könnte bei immunsupprimierten Patienten die Verabreichung von Antikörper-Präparaten sein. Damit könnte der impfbedingt entstandene Immunschutz verstärkt werden. Viele immungeschwächte Menschen zeigen nach der Impfung keine gute Immunantwort. Sie bilden oft nur wenige Antikörper. Aktuelle Laborstudien weisen aber darauf hin, dass nur das Antikörper-Präparat „Sotrovimab“ einen ausreichend hohen Schutz gegen die Omikron-Virusvariante bedeutet.

Als Konsequenz raten die Studienleiter der oben genannten Studie immungeschwächten Patienten, das durchgehende Tragen einer FFP-2-Maske an. Zudem sollten Abstandsregel, Handhygiene, Lüftung und regelmäßige PCR-Tests wichtiger genommen werden. Immerhin verlaufen Impfdurchbrüche bei den meisten immungeschwächten Patienten nach anfänglich schweren Symptomen milder. Zu schweren Verläufen, die eine invasive Beatmung oder einen ECMO-Einsatz erforderten oder gar mit dem Tod endeten, kam es nur in 2,1 Prozent der Fälle. Ob diese Zahlen auch bei der Omikron-Variante des Covid-19-Virus gelten, ist derzeit nicht bekannt.

Studie zu Durchbruchsinfektionen bei immungeschwächten Patienten

Die Auswertung der Daten aus der „National COVID Cohort Collaborative“ (N3C) betraf Datenanalysen von Medizinzentren der gesamten USA. Alle im Studienzeitraum an Covid 19 erkrankten Personen, deren Daten in die Studie einflossen, hatten mindestens eine Impf-Dosis erhalten. Zu den Menschen, deren Immunsystem geschwächt war, gehörten

  • HIV-Betroffene
  • Menschen mit Multipler Sklerose
  • Rheuma-Patienten
  • Patienten mit rheumatoider Arthritis
  • Organtransplantierte
  • sowie Leukämiepatienten vor oder nach einer Knochenmarkstransplantation.

Einbezogen wurden auch andere Personen, bei denen eine krankheitsbedingte Immunschwäche angenommen werden konnte. Als Durchbruchsinfektion wurden alle Covid-19-Erkrankungen angesehen, die frühestens 14 Tage nach der ersten Impfung aufgetreten werden. Die Erkrankungsrisiken nach der Erst- oder Zweitimpfung wurden für immungeschwächte und nicht immungeschwächte Patienten getrennt ausgewertet. Dabei wurden alle begleitenden und relevanten Faktoren wie Alter, Wohnort, Zahl der erhaltenen Impfungen oder Komorbiditäten berücksichtigt. Die Kohorte von insgesamt 664.722 Patienten hatte ein Durchschnittsalter von 51 Jahren. Unter den ausgewerteten Patientendaten stammten 56,6 Prozent von Frauen.

Durchbruchsrate

Es ergab sich eine Durchbruchsrate von durchschnittlich 5 Prozent doppelt geimpfter Personen nach der Alphawelle. Die Rate der Impfdurchbrüche stieg während der Delta-Welle auf 7,3 Prozent. Es ergab sich außerdem die Erkenntnis, dass die volle Impfdosis bei der Delta-Variante zu 28 Prozent weniger Impfdurchbrüchen führte, als erwartbar waren. Doppelt Geimpfte, die trotz zweier Impfungen im Studienzeitraum an Covid 19 erkrankten, waren häufiger ältere Frauen. Immunsupprimierte und immungeschwächte Patienten wiesen trotz einer oder zweier Impfungen – meist mit mRNA-Impfstoffen – eine deutlich höhere Rate an Durchbruchsinfektionen auf. Die Durchbruchsrate erhöhte sich noch, nachdem die Delta-Variante des Covid-19-Virus sich durchgesetzt hatte. Das lässt nichts Gutes für die Omikron Variante hoffen. Möglicherweise verdoppelt sich dieser Wert während der Omikron-Welle.

Impfdurchbrüche immunsuppression

Unter den Personen, die bisher keinen ausreichenden Impfschutz erhalten hatten, bekamen durchschnittlich 7,1 Prozent der Immunsupprimierten eine Durchbruchsinfektion. Im Vergleich dazu fand sich unter immunsupprimierten Personen mit HIV eine Durchbruchsrate von 9,1 Prozent. Personen mit Multipler Sklerose hatten eine durchschnittliche monatliche Durchbruchsrate von 8,9 Prozent, berechnet auf jeweils 1.000 Personen. Patienten mit einer Knochenmarkstransplantation lagen bei einem Durchbruchrisiko von 8,6 Prozent. Betroffene, die eine Organtransplantation überlebt hatten, wiesen wegen der notwenigen Immunsuppression sogar eine durchschnittliche monatliche Durchbruchsrate von 15,7 Prozent auf. Die mittlere Zeitdauer des Impfdurchbruchs nach doppelter Impfung lag bei 138 Tagen danach. Die ersten Patienten mit einer Immunschwäche infizierten sich schon 85 Tage nach der doppelten Impfung. Bei anderen wurde die Durchbruchsinfektion erst 178 Tage nach der zweiten Impfung diagnostiziert.

Durchbruchsinfektion wahrscheinlicher

Aus den ausgewerteten Daten ergab sich, dass Organ- und Knochenmarkstransplantierte sowie HIV-Patienten im Vergleich mit nicht immungeschwächten Personen wesentlich schneller eine Durchbruchsinfektion mit SARS Covid-Viren erlebten. Das bestätigen auch entsprechende Studien aus Israel und den USA. Etwa die Hälfte der Durchbrüche ergab sich bei der eben genannten Gruppe immunsupprimierter Personen in den ersten vier Monaten nach der zweiten Impfung. Zudem ergab die Studie, dass immunsupprimierte Personen bei einem Impfdurchbruch im Vergleich mit nicht immungeschwächten Menschen deutlich öfter eine Hospitalisierung oder einen schweren Verlauf erlebten. Die Schwere des Krankheitsverlaufs milderte sich aber schneller ab, wenn die Betroffenen bereits zwei Impfungen erhalten hatten. Diese Studienergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Die Empfehlung für eine dritte und möglicherweise eine vierte Booster-Impfung macht Sinn.

Organ- und Knochenmarkstransplantierte, Krebspatienten, AIDS-Betroffene, Dialyse-Patienten und andere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten den Booster bereits nach drei Monaten erhalten. Damit wird das Risiko schwerer Verläufe oder Todesfälle ebenso gesenkt wie die Menge der Durchbruchsinfektionen mit Covid-19 bei immungeschwächten Personen. Die Präventionsmaßnahmen für immungeschwächte Personen sollten nach Möglichkeit intensiviert und verbessert werden. Dies ist besonders mit Blick auf die Tatsache wichtig, dass die Antikörper-Bildung bei vielen immungeschwächten Personen nicht optimal verläuft. Vermehrte Tests auf die Menge der gebildeten Antikörper nach einer Impfung sind zumindest für immunsupprimierte Personen sinnvoll.

Antikörper-Therapie

Als ebenso sinnvoll erscheint es, bei immungeschwächten Patienten gegebenenfalls eine Antikörper-Therapie vorzunehmen. Die Menge der Antikörper ist bei immungeschwächten Personen im Schnitt deutlich geringer als bei Personen mit einem normal funktionierenden Immunsystem.

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NDR Gesundheit
Immer wieder erkranken Menschen an Covid-19, obwohl sie vollständig geimpft sind. Wie häufig kommen diese Impfdurchbrüche vor, was sind die Gründe dafür und wer ist gefährdet?
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